“Es ist ein Prozess…”- Eine kleine Geschichte meines Lebensweges
- Ariane Dreier
- 6. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. März
Mit diesem Artikel möchte ich ein wenig zu Joves inspirierendem Blog beitragen und meine
Geschichte erzählen, denn vielleicht findet sich die eine oder andere Person darin wieder.
Mein Name ist Ariane, ich bin Mitte 30 und wohne seit 2022 in Portugal, an der Algarve.
Momentan leite ich hier einen kleinen Surfshop und baue mir nebenbei ein Online
Gesundheitsmagazin auf.

Das hört sich für dich womöglich sehr idyllisch an, doch es war ein weiter Weg bis hier hin
und auch jetzt, habe ich noch ab und zu mit einigen Dingen zu kämpfen.
Ich bin hierher gezogen, weil ich mir nach einem Burnout Gedanken gemacht habe, wie ich
mein Leben weiterleben möchte.

Ich wusste, dass ich Surfen in mein tägliches Leben integrieren wollte, denn ich liebe es, im
Wasser zu sein. Doch mir war auch klar, dass ich aus der Großstadt raus musste, um
gesund zu werden.
Damals lebte ich in Berlin. Die Stadt an sich ist natürlich ein spannender Ort, doch sie hat
auch viel zu meinem Burnout beigetragen.
Ich habe damals lange in der Gastronomie gearbeitet und eine Überstunde nach der
nächsten geschoben, in unter besetzten Teams. Nach den extrem erschöpfenden Schichten
habe ich mich dann mit diversen Aufputschmittel, Zigaretten und Alkohol wieder “fit”
gemacht, damit ich genug “Energie” hatte, um mit meinen Freunden Zeit in den Clubs zu
verbringen.
Wenn man jung ist, geht das eine ganze Weile gut, doch irgendwann zeigt einem der
Körper, dass er nicht unendliche Ressourcen hat.
Nachdem ich dann fast den ersten Blackout auf dem Dancefloor hatte, wusste ich, dass
etwas nicht mehr in Ordnung ist.
Von dem Zeitpunkt an, ging es mit meinem seelischen und körperlichen Wohlbefinden Berg
ab. Panikattacken, Ohnmacht, Erschöpfung, Probleme mit Koffein, Beklemmungen in der
Herzgegend, Schlafstörungen, Magenschleimhautentzündung… Mein Körper hat mir auf
jegliche Art signalisiert, dass ich mein Leben ändern muss.
Das tat ich zum Glück auch, doch es ging nicht von heute auf morgen.
Ich suchte mir einen ruhigen Job und wurde “clean”. Sogar Kaffee habe ich lange Zeit nicht
mehr getrunken. Meine Ernährung stellte ich nach chinesischer Medizin um und kam wieder
zu Kräften. Ich las etliche Bücher über Psychologie und machte eine Therapie.
Nachdem ich wieder stabil war, entschied ich, nach Portugal zu ziehen.
Meine größte Herausforderung zu der Zeit des Lebenswandels war, dass viele Menschen
mich nicht ernst genommen haben und ich mich davon beeinflussen lassen habe, statt auf
mein Gefühl und meinen Körper zu hören.
Zum Beispiel verstanden viele aus meinen alten “Feier- und Freundeskreisen” nicht, dass
ich plötzlich Clean werden wollte. Es gab kaum jemanden, der mir glaubte, dass mein
Körper innerlich kollabiert und ich darum nicht mehr trinken oder konsumieren wollte.
Es hieß immer “entspann dich doch mal, das bildest du dir nur ein, das ist doch alles nicht
gefährlich". Auch beruflich meinten viele zu mir: ,,Sie sind doch erst Anfang 30, wie kann
man da einen Burnout haben?”
Was mir auf dem Weg zu mir selbst geholfen hat, war tatsächlich mein Körper selbst.
Damals habe ich ihn verflucht: "Warum bin ich jetzt plötzlich so schwach und krank!?
Warum geht es mir so schlecht!? Wieso kann ich nicht normal sein, wie die anderen und
einfach weitermachen!?"
Heute bin ich meinem Körper für diese Warnzeichen extrem dankbar. Denn wenn mein
Körper sich nicht so drastisch ausgeklinkt hätte, hätte ich weiter gemacht.
Doch ich konnte nicht, ich konnte wie gesagt noch nicht mal mehr einen Kaffee oder grünen
Tee trinken. Das Koffein hat mir, gefühlt, den Brustkorb gesprengt. Nichts ging mehr.
Da ich mich dann von einigen alten Freunden entfernte und auch die Pandemie zuschlag,
hatte ich genug Zeit mich zu belesen. Mir wurde bewusst, was ich mir selbst über Jahre
angetan hatte, aber auch, wie ich es wieder gut machen konnte.
Plötzlich hörte ich auf niemanden mehr, der nicht mehr “gelesen” hatte, als ich.
Das war das Beste, was ich tun konnte, denn ich habe mich nicht mehr von anderen
beeinflussen lassen. Manchmal bin ich fast vom Glauben abgefallen. Man kann unter
Schmerzen leiden, wissenschaftliche Belege für seine Probleme finden und es gibt trotzdem
Menschen, die einem sagen: ,,Du bildest dir das ein.”
Heute versuche ich stets auf meinen Körper zu hören und ihm zugeben, was er wirklich
braucht. Da unsere Gesellschaft jedoch Produktivität und Leistung eher belohnt, als
Selbstfürsorge, ist das nicht immer leicht. Es ist jeden Tag ein Prozess, achtsam mit sich zu
sein und auch seine Gedanken zu reflektieren.
Was mich heute glücklich macht, ist, dass ich damals meinen eigenen Weg gegangen bin.
Und das tue ich auch heute noch. Es gibt so viele Menschen, die meinen, sie wissen, was
das Beste für dich ist. Doch das weißt du nur selbst. Daher kann ich jedem raten, in sich zu
gehen und zu horchen, was einem der Körper sagen will.
Es macht mich auch glücklich, stets zu lernen und mich weiter zu entwickeln.
Aus diesem Grund habe ich auch das Online Magazin gestartet. Ich möchte über alles
schreiben, was ich gelernt habe, damit ich es nicht vergesse. Und ich möchte, dass andere
Menschen auch etwas daraus lernen können.
Doch manchmal stehe ich mir noch selbst im Weg, denn auch wenn ich weiss, was ich
brauche, fällt es mir schwer zu erkennen, was ich WILL.
Ich glaube, das ist ein weit verbreitetes Phänomen unter uns Frauen. Viele von uns wurden
zur Selbstlosigkeit und Genügsamkeit erzogen. Ich versuche in letzter Zeit oft eine
Manifestationsliste zu schreiben, mit den Dingen, die ich mir für meine Zukunft wünsche.
Und ich tue das "oft", denn ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich Dinge
aufschreibe, die ganz ok wären, statt groß zu träumen. Ich finde es schwer für möglich zu
halten, dass es mir mehr als nur "ok" gehen könnte.
Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas raten könnte, wäre es, sich mehr zuzutrauen, zu
wünschen und sich besser zu informieren. Ich würde mir auch raten, mich mehr auf mich
selbst zu verlassen und weniger Wert auf die Meinung anderer Menschen zu legen.
Ich war damals eine regelrechte People-Pleaserin, habe Konflikte um alles in der Welt
gemieden und mich immer allen anderen angepasst. Hauptsächlich aus Angst davor,
Beziehungen zu verlieren oder nicht gut genug zu sein. Damit habe ich auch einige
toxische Menschen angezogen.
Heute bin ich, was das angeht, ziemlich bei mir. Ich lebe authentischer und versuche, so
ehrlich wie möglich zu mir selbst und anderen zu sein. Wenn ich dadurch irgendwo nicht rein
passe, dann ist das völlig ok.
Wenn wir nicht authentisch leben und uns in einem Umfeld bewegen, das uns nicht gut tut,
werden wir irgendwann krank. Auch wenn es in unserer Gesellschaft nicht immer einfach ist,
authentisch zu leben und uns selbst treu zu sein, ist es doch ein Prozess, der sich lohnt.
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